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Digitale Erinnerungskultur: „Gestapo.Terror.Orte“

27. 01. 2026
Verfasst von: Ina Blümel, Gabriele Fahrenkrog, Lambert Heller, Lisa Groh-Trautmann

Digitale Erinnerungskultur: „Gestapo.Terror.Orte“

Die Montage zeigt einen dunklen kahlen Raum mit leicht geöffneter Metalltür und einen Kartenausschnitt von Norddeutschland. Darauf befinden sich verschiedene Symbole als Standort-Markierung. Darüber steht der Projektname „Gestapo.Terror.Orte in Niedersachsen 1933–1945“. © TIB Hannover
Wo befinden sich Orte des Gestapoterrors, frühere Dienstsitze und Haftstätten in Niedersachsen? Beteiligte aus Gesellschaft, Studium und Forschung haben gemeinsam Daten erfasst und eine interaktive Karte als digitale Erinnerungskultur erarbeitet.

Wie lassen sich mehr Menschen für geschichtliche Ereignisse interessieren? Indem sie aktiv an der Erinnerungskultur mitwirken können und erfahren, was an den eigenen Lebensorten passiert ist. Dies ermöglichen die Hochschule Hannover und die TIB – Leibniz Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften in einem bürgerwissenschaftlichen Projekt: Bürgerinnen und Bürger erstellen mit Studierenden und Forschenden eine digitale Landkarte zu Orten des Gestapoterrors in Niedersachsen von 1933 bis 1945.

Bürgerwissenschaft unterstützt Geschichtsforschung

Gedenkstätten benötigen zunehmend digitale Informationen, die sie Besucherinnen und Besuchern zur Verfügung stellen. In Kooperation mit der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten arbeiten Beteiligte aus Gesellschaft, Studium und Forschung zusammen, um Rechercheergebnisse aus Literatur und Archiven in strukturierte, offen nutzbare Daten zu übertragen, die wissenschaftlich validiert und auf einer digitalen Karte visualisiert werden. Wo befinden sich Orte des Gestapoterrors im heutigen Niedersachsen? Welche Gebäude nutzte die Gestapo, wo waren Dienstsitze und Haftstätten? Hierauf gibt die interaktive Karte „Gestapo.Terror.Orte in Niedersachsen 1933–1945“ Antworten.

Am historischen Wissenstransfer aktiv mitwirken

Bürgerwissenschaften (Citizen Science) können eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus fördern, davon ist Prof. Dr. Ina Blümel von der Hochschule Hannover überzeugt. „Ziel einer lebendigen Erinnerungsarbeit ist es nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern auch Möglichkeiten zu eröffnen, aktiv an der Erinnerungskultur mitzuwirken“, sagt die Projektleiterin. Dieser gegenseitige Wissenstransfer zwischen Gesellschaft und Forschung befähigt Bürgerinnen und Bürger dazu, „historische Kontinuitäten zu erkennen, Gegenwartsfragen kritisch zu diskutieren und demokratische Transformationsprozesse aktiv mitzugestalten“, erläutert Ina Blümel. „Auf diese Weise können auch besonders junge Menschen in Schule und Studium einen stärkeren Bezug zu den Geschehnissen in der eigenen Umgebung aufbauen.“

Transparente Ergebnisse und Qualitätskontrolle

Die digitale Karte ist frei zugänglich und kann in Studium, Forschung, von Bildungseinrichtungen, Gedenkstätten und weiteren Interessierten ergänzt und genutzt werden. Dazu gibt es regelmäßige Werkstätten, um die historischen Daten zum Gestapoterror nach wissenschaftlichen Standards zu erfassen, sowie Workshops, Tutorials und Lernmaterialien. Hierbei bilden die Hochschule Hannover und das Open Science Lab der TIB ein eng verzahntes Innovations-Tandem, um die Datenverarbeitung und -bereitstellung (Wikidata, FactGrid, Linked Open Data) sowie die partizipative Geschichtswissenschaft stetig weiterzuentwickeln.

Das alte Dokument stammt von der Staatspolizeistelle Hannover. Pfeile markieren Einträge zur Festnahme, Name und Geburtsdatum des Geschädigten, Verfolgungsgrund, Zeit, Ort und Quelle. © Gestapo.Terror.Orte
Das Beispiel einer Quellenanalyse zeigt ein Dokument der Geheimen Staatspolizei. Die markierten Fakten werden als relevante Daten in der digitalen Karte „Gestapo.Terror.Orte“ erfasst.

Die Wissenschaftlerin beschreibt das Projekt als „Reallabor gesellschaftlicher Selbstreflexion“: Akteure aus Forschung und Zivilgesellschaft erzeugen gemeinsam neues Wissen, das einer transparenten Qualitätskontrolle unterliegt. „Von der Zusammenarbeit und den offen zugänglichen Ergebnissen profitieren wir alle“, freut sich Ina Blümel. Den hohen Anspruch an einen wirkungsvollen Wissenstransfer unterstreicht der 2023 verliehene Team Award Information Professionals des Bibliothekenverbandes bit online für das an „Gestapo.Terror.Orte“ angelagerte Semesterprojekt „Open Data und Erinnerungskultur“.

 

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Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Zitation: Blümel, I., Fahrenkrog, G., Heller, L., & Groh-Trautmann, L. (2026). Digitale Erinnerungskultur: „Gestapo.Terror.Orte“. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 3/2025: Transfer in die Praxis. https://doi.org/10.60479/JH9S-7514
Prof. Dr. Ina Blümel
Adresse
Hochschule Hannover
TIB – Leibniz Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften
Prof. Dr. Ina Blümel
Adresse
Hochschule Hannover
TIB – Leibniz Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften
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