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Abstoßungsreaktionen frühzeitig erkennen

30. 06. 2026
Verfasst von: Rebecca Jonczyk

Abstoßungsreaktionen frühzeitig erkennen

Eine Frau in Laborkleidung inspiziert eine Multi-Titerplatte in ihren Händen. In einem quadratischen Ausschnitt befinden sich farbige Proben. Im Hintergrund steht ein Analysegerät mit Monitor. © Harry Köster
Dr. Rebecca Jonczyk untersucht immunologische Reaktionen von Endothelzellen mittels ELISA (Multi-Enzyme-linked immunosorbent assay).

Unser Immunsystem schützt uns vor Infektionen und unterscheidet hierzu körpereigene von körperfremden Strukturen. Auch Transplantate wie eine Spenderniere können als körperfremd erkannt, bekämpft und abgestoßen werden. Entscheidend ist hierbei die innere Zellschicht der Blutgefäße, das Endothel. Organempfängerinnen und -empfänger können mit der Zeit Antikörper gegen das Proteinmuster der Endothelzellen produzieren. Am Niedersächsischen Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung (NIFE) entwickelt Dr. Rebecca Jonczyk ein Diagnostik-System, das diese Spenderzellen-bekämpfenden Antikörper zuverlässiger als bisher erkennt. Der frühzeitige Nachweis ist entscheidend für das Überleben eines Transplantats.

Lebendzellarrays für Diagnostik und Biomedizin

2025 wurden in Deutschland rund 1.500 Nieren postmortal transplantiert – ein Rekord! Doch trotz modernster Medikamente erfolgt mit der Zeit in bis zu 80 Prozent der Fälle eine chronische Abstoßung durch Antikörper, bei fast zwei Dritteln versagt das Transplantat. Diesen Prozess frühzeitig zu erkennen hilft, Transplantate länger zu erhalten. „Aktuelle Methoden weisen aber erhebliche Probleme auf“, sagt Rebecca Jonczyk. 20–30 Prozent der Ergebnisse sind falsch-positiv, da die Antikörper unnatürlich stark an die künstlich hergestellten Proteine des Testsystems binden. Zudem werden nicht alle relevanten Antikörper erfasst. 

Eine Hand im Laborhandschuh hält einen Glasträger hoch, auf dem 12 Punkte in 2 Reihen aufgetragen sind. Im Hintergrund ist ein Punkt im Mikroskopiebild vergrößert dargestellt, der aus vielen grün leuchtenden Punkten besteht. © Harry Köster
Zellarray aus lebenden Endothelzellen auf einem Glasträger; im Hintergrund sind die gewachsenen Endothelzellen vergrößert zu sehen.

Lebende Zellen des Spenders für Testsystem

Die Chemikerin von der Leibniz Universität Hannover setzt daher am Hauptangriffsziel des Empfänger-Immunsystems an: Ihr Diagnostik-System misst Antikörper des Empfängers auf lebenden Endothel-Vorläuferzellen – isoliert aus dem Blut des Spenders. Für eine individuelle Diagnostik und konsequente Überwachung sollen diese neuartigen Lebendzellarrays eingefroren und gelagert werden. Das Projekt wird vom Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gefördert. Rebecca Jonczyk demonstriert das System derzeit erfolgreich an einer statischen Diagnostik, die sie in einem Folgeprojekt um eine dynamische Mikroflusskammer erweitern will. Diese ermöglicht die Antikörperdiagnostik unter möglichst lebensnahen physiologischen Bedingungen. 

Das Prinzip der Lebendzellarrays soll in Zukunft auch auf andere immunologische Fragestellungen und Erkrankungen übertragen werden, in denen Zellen beispielsweise von Auto-Antikörpern angegriffen werden. 

 

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Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Dr. Rebecca Jonczyk
Dr. Rebecca Jonczyk
Leibniz Universität Hannover, uni transfer
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