19. 05. 2026
Verfasst von: Inga Brüsch, André Bleich
Tierversuche, Tierschutz, tierversuchsfreie Methoden
Tierversuche, mit deren Hilfe neue medizinische Therapien und Medikamente entwickelt und erprobt werden, sind in der Gesellschaft umstritten. Zwar wird intensiv an Methoden geforscht, die ohne Tiere auskommen, doch für bestimmte Forschungszwecke gelten Tierversuche als unverzichtbar. Auch auf dieser Informations-Plattform basieren die wissenschaftlichen Erkenntnisse einiger Beiträge zum Teil auf dem Einsatz von Versuchstieren. Tierversuche werden in Deutschland behördlich genehmigt und unter strenger Tierschutzkontrolle durchgeführt.
Im Dienst der Forschung und erkrankter Menschen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und anderer Forschungseinrichtungen beschreiben in einigen Artikeln Forschungsprojekte, bei denen Tierversuche notwendig sind. Die Grundvoraussetzung für die behördliche Genehmigung, solche Versuche durchzuführen, ist ein detaillierter und spezifischer Versuchsplan, der das Versuchsziel und die ethische Vertretbarkeit der einzelnen verwendeten Tiere klar herausarbeitet. Tierversuche dürfen nur eingesetzt werden, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, das Versuchsziel zu erreichen. Der Nutzen der Studie für die Menschen muss dem Tierleid deutlich übergeordnet sein. Das wird von einer Landesbehörde, in Niedersachsen das LAVES, überprüft und genehmigt. Die Behörde wird wiederum durch eine Tierversuchskommission (§15 Kommission gemäß Tierschutzgesetz) beraten, die aus Mitgliedern der Wissenschaft und Vertretern von Tierschutzorganisationen besetzt ist.
Tierwohl sicherstellen, am Diskurs beteiligen
An der MHH werden die Versuche von Tierschutzbeauftragten vor Ort und vom Tierschutzausschuss begleitet. An den wissenschaftlichen Versuchen arbeiten ausgebildete Tierärzte für Versuchstierkunde mit, die besonders auf das Tierwohl achten und die Belastung des Einzeltieres laufend beurteilen. Sobald die entwickelte Therapie klinisch erprobt wird, werden noch weitere Gremien mit einbezogen. Darüber hinaus beteiligen sich die Forscherinnen und Forscher am gesellschaftlichen Diskurs und stellen ihre Arbeiten beispielsweise in der Patientenuniversität vor.
Tierversuchsfreie Methoden
Zunehmend stehen auch Alternativmethoden zur Verfügung, die für die Therapie- und Medikamentenentwicklung keine Tiere nutzen. Diese werden zum Beispiel im Forschungsverbund „R2N – Replace und Reduce aus Niedersachsen“ an der MHH entwickelt. Bei In-vitro-Verfahren erfolgen die Tests an Mikroorganismen und Zellkulturen „im Reagenzglas“. Dabei spielen Bakterien, Algen oder menschliche Stammzellen eine wichtige Rolle. Aus den Stammzellen lassen sich zum Beispiel organtypische Gewebe züchten, um Wirkstoffe daran zu testen. Computersimulationen und künstliche Intelligenz tragen ebenso dazu bei, Tierversuche zu ersetzen. Sie werten Daten aus, sagen Wirkungen voraus oder erkennen Zusammenhänge zwischen individuellen Faktoren und Krankheiten.
Über die Grundlagen von Tierversuchen und Alternativmethoden informiert die „Informationsinitiative der Wissenschaft“ sowie die Initiative 3R-Forschung – Replace, Reduce, Refine:
Hier finden Sie weitere Informationen:
Institut für Versuchstierkunde und Zentrales Tierlaboratorium
Institut für Versuchstierkunde und Zentrales Tierlaboratorium
30625 Hannover
30625 Hannover