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Verkürzte Prozesskette: Randzonenhärtung beim Zerspanen

23. 04. 2026
Verfasst von: Michael Keitel, Sebastian Barton

Verkürzte Prozesskette: Randzonenhärtung beim Zerspanen

Ein zylinderähnliches Bauteil ist in eine Maschine eingespannt. Ein Werkzeugkopf berührt dessen Oberfläche, die als martensitische Randzone in einem mikroskopischen Bild vergrößert gezeigt wird. Ein Eiskristall symbolisiert die Prozesstemperatur von -150 °C. © IFW/IW, LUH
Kürzere Prozesszeiten, bessere Werkstoffeigenschaften: Das Bild zeigt eine auf -150°C heruntergekühlte Welle in einer Drehmaschine, die spanend bearbeitet wurde. Die kryogene Bearbeitung wandelt Restaustenit im Stahlgefüge in Martensit um. Eine Messvorrichtung am Drehwerkzeug misst den Martensitgehalt parallel im Prozess.

Die Herstellung leistungsfähiger Bauteile ist meistens sehr kostenintensiv. Ein neuartiges und patentiertes Verfahren der Leibniz Universität Hannover ermöglicht es, Stahl gleichzeitig zu bearbeiten und die Härte in der Randzone einzustellen. Durch eine innovative Prozessführung werden vorhandene austenitische Gefügebestandteile im Stahl während der spanenden Bearbeitung in Martensit umgewandelt. So lässt sich die Härte steigern, die Prozesskette deutlich verkürzen und die Qualität durch eine prozessintegrierte Wirbelstromprüfung zuverlässig kontrollieren.

Kosteneffizienz durch kombinierte Bearbeitung und Härtung

Moderne Herstellungsverfahren für hochbelastbare Bauteile sind bislang durch eine aufwendige Prozesskette geprägt: Massivumformung, Wärmebehandlung und spanende Bearbeitung. Doch dieser klassische Ansatz ist zeit- und kostenintensiv. Zudem beeinflussen alle Fertigungsprozesse den Zustand der Randzone eines Bauteils, zum Beispiel die Mikrostruktur beziehungsweise das Gefüge, und damit auch die Bauteileigenschaften. So ist bekannt, dass gezielte Druckeigenspannungen in der Randzone die Lebensdauer und Belastbarkeit eines Werkstücks erheblich steigern können.

Schnellere Fertigung, höhere Bauteilqualität

Die neue Technologie geht hier einen entscheidenden Schritt weiter. Ein interdisziplinäres Team vom Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen sowie vom Institut für Werkstoffkunde hat das Verfahren entwickelt und patentieren lassen. Mit der hochinnovativen Fertigungstechnologie wird es erstmals möglich, das Gefüge direkt während des Zerspanungsprozesses gezielt zu beeinflussen – mit reproduzierbaren Ergebnissen und einer deutlichen Steigerung der Härte.

  • Die Einstellung der Härte während der spanenden Bearbeitung verkürzt die Prozesskette spürbar – das spart Zeit und erhöht die Wirtschaftlichkeit.
  • Die Dokumentation einzelner Bauteile, zum Beispiel von Wälzkörpern, wird in den Prozess integriert.

Das Verfahren verbessert die Werkstoffeigenschaften und schafft die Grundlage für noch leistungsfähigere Bauteile. Besonders für hoch beanspruchte Komponenten, wie Lager in Windenergieanlagen, eröffnet dies neue Potenziale.

Innovative Temperaturführung und Prozesskontrolle

Das Verfahren setzt auf austenitischen Stahl oder Stähle mit hohen Anteilen von Restaustenit. Der Gefügebestandteil Austenit prägt beispielsweise viele nichtrostende Stähle. Wird Austenit unter der Einwirkung mechanischer Spannungen in Martensit umgewandelt, erhöht sich die Härte des Stahls. Diese Umwandlung kann durch eine aktive Kühlung des Bauteils gefördert werden. Der Prozess nutzt eine innovative Temperaturführung: Mithilfe von CO₂ oder Stickstoff wird die Bearbeitungszone auf rund -150°C heruntergekühlt. Unter diesen Bedingungen erzeugt das Zerspanungswerkzeug mit Freiflächenrücksatz gezielte Kräfte in der Scherzone, wodurch der vorhandene Restaustenit in Martensit umgewandelt wird. Zur zuverlässigen Prozesskontrolle kommt eine Wirbelstromanalyse zum Einsatz, die die erreichten Veränderungen im Gefüge exakt erfasst.

 

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Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Zitation: Barton, S., & Keitel, M. (2026). Verkürzte Prozesskette: Randzonenhärtung beim Zerspanen. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 3/2025: Transfer in die Praxis. https://doi.org/10.60479/AX78-RA70
Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen
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Leibniz Universität Hannover
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Institut für Werkstoffkunde
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Leibniz Universität Hannover, uni transfer
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